Start  /  Fachartikel  /  Souverän auftreten
S2 · Souverän auftreten

Ernst genommen werden im Job: Was dir Gewicht gibt und was es dir nimmt

Dein Vorschlag wird überhört und zählt erst, wenn ein anderer ihn wiederholt? Meist liegt das nicht am Inhalt, sondern am Gewicht, das dein Beitrag im Raum hat. Hier sind die vier Stellschrauben dafür, auch wenn du als zu jung, neu oder zu leise wahrgenommen wirst.

Ernst genommen werden im Job: Was dir Gewicht gibt und was es dir nimmt
Auf einen Blick

Wer im Job nicht ernst genommen wird, hat selten das schwächere Argument. Meist fehlt dem Beitrag das Gewicht. Gewicht entsteht über vier Stellschrauben: wie du klingst und dasitzt, welche Wörter du wählst, ob deine Kompetenz sichtbar wird und ob du das Wort behältst. Das gilt, ob man dich für zu jung hält, du neu in der Rolle bist, als einzige Frau am Tisch sitzt oder nicht in deiner Muttersprache sprichst. Und es beginnt mit einer Erlaubnis, die du dir selbst gibst.

1 Satzendeentscheidet, ob du fragst oder feststellst
2 SekundenPause, bevor du auf eine Rückfrage antwortest
3 Punktein denen du der Runde voraus bist, notiert vor dem Termin

Du bringst in der Besprechung einen Vorschlag ein. Kurzes Nicken, dann geht es weiter. Eine halbe Stunde später sagt ein Kollege fast dasselbe, und plötzlich heißt es: „Gute Idee, so machen wir das.“ Wenn dir das bekannt vorkommt, liegt es fast nie am Inhalt. Ob du im Job ernst genommen wirst, hängt am Gewicht, das dein Beitrag hat, bevor ihn überhaupt jemand inhaltlich prüft.

So beschreiben es Führungskräfte in unseren Erstgesprächen
  • Fachlich gut, aber ich bringe es nicht rüber.
  • Ich verkaufe mich unter Wert.
  • In großen Sitzungen mit lauter Chefs fühle ich mich schwach.
  • Ich finde den Konter nicht und fühle mich nicht respektiert.

Warum wirst du im Job nicht ernst genommen, obwohl du fachlich gut bist?

Weil Menschen zuerst wahrnehmen, wie du etwas sagst, und erst danach prüfen, was du sagst. Wer seine Berufsjahre nie erwähnt, bekommt vom Team weniger Vertrauensvorschuss, bei gleichem Können. Und „Ich glaube, das ist eigentlich ein guter Ansatz?“ mit steigender Stimme hört die Runde als Bitte um Bestätigung, nicht als Standpunkt.

Wie weit dieser Effekt reicht, zeigt eine Untersuchung von Anderson und Kilduff aus dem Jahr 2009: Wer dominant auftrat, galt in der Gruppe als kompetenter, selbst wenn man die tatsächliche Leistung herausrechnete. Das ist ein Fehler der Beobachter und keine Empfehlung, sich dominant zu geben. Es zeigt aber, wie wenig Können zählt, das niemand sieht.

Dazu kommt: In jeder Besprechung wird nebenbei geklärt, wer redet, wer entscheidet und wessen Einschätzung zählt. Du bist Teil dieser Klärung, auch wenn du schweigst.

Grafik

Vier Stellschrauben für Gewicht, in dieser Reihenfolge

  1. AuftretenStimme, Haltung, Ruhe
  2. SpracheWörter, die stärken statt entwerten
  3. Kompetenzsichtbar, ohne Eigenlob
  4. Gesprächsführungdas Wort behalten
Die Reihenfolge zählt. Wer die Stimme am Satzende hebt, dem nützt auch die klügste Formulierung wenig.

Wie du wirkst, bevor du argumentierst: Stimme und Haltung

Kurz gesagt: Du wirkst über drei Signale, die nichts mit Wörtern zu tun haben: einen Satzanfang mit voller Energie statt leisem Anlauf, ein Satzende, bei dem die Stimme fällt wie bei einem Punkt, und einen ruhigen, aufrechten Körper mit Blick in die Runde. Das fallende Satzende bringt am meisten, denn so stellst du fest, statt zu fragen.

Drei Signale entscheiden in Sekunden, wie viel Gewicht dein Beitrag bekommt. Keines davon hat mit Wörtern zu tun.

Der Satzanfang. Viele starten leise und werden erst im Lauf des Satzes lauter. Ein zaghafter Einstieg klingt, als würdest du um Erlaubnis bitten. Starte mit voller Energie, nicht lauter, sondern aus der Körpermitte, als müsste schon das erste Wort bis an die Rückwand reichen.

Das Satzende. Hebst du am Ende die Stimme, klingt jede Aussage wie eine Frage. Senkst du sie wie bei einem Punkt, stellst du fest. Sprich zum Test zweimal: „Wir brauchen dafür zwei Wochen mehr?“ und „Wir brauchen dafür zwei Wochen mehr.“ Gleicher Inhalt, völlig anderes Gewicht. Von allem in diesem Artikel bringt diese Umstellung am meisten, und nach wenigen Wochen Übung sitzt sie.

Der Körper. Hände unter dem Tisch, Schultern eng, Blick in die Unterlagen: Das sagt ohne ein Wort, dass du dir deines Platzes nicht sicher bist. Aufrecht sitzen, Hände ruhig auf dem Tisch, Blick in die Runde sagt das Gegenteil. Ruhe liest die Runde als Gewicht.

Grafik

Was du sendest und was die Runde liest

Du sendestDie Runde liest
leiser, zögernder Satzanfangeine Bitte um Erlaubnis
Stimme steigt am Satzendeeine Frage, die Bestätigung sucht
Hände unter dem Tisch, Blick in die Unterlagen„Darf ich hier überhaupt etwas sagen?“
Kuli drehen, Fuß wipptnervös
aufrecht, ruhig, Blick in die Rundehier spricht jemand mit Gewicht

Eine Metaanalyse von Hall, Coats und LeBeau aus dem Jahr 2005 zeigt: Menschen vermuten einen viel engeren Zusammenhang zwischen Rang und nonverbalem Verhalten, als es ihn tatsächlich gibt, wobei die Einzelstudien stark streuen. Geurteilt wird trotzdem nach dieser Vermutung. Mehr zu Stimme und Ausstrahlung liest du im Artikel Souverän auftreten.

Welche Wörter dir Gewicht nehmen und welche es dir geben

Mehr Schaden als jedes „Äh“ richten Weichmacher an: eigentlich, vielleicht, irgendwie, relativ, ich würde fast sagen. Auf die Frage „Schaffen wir den Launch im Mai?“ ist „Ich glaube, das könnte eigentlich ganz gut klappen“ als Ja gemeint. Ankommen wird ein Vielleicht. Mit jedem Weichmacher signalisierst du: So ernst musst du das nicht nehmen. Die Runde folgt diesem Signal.

Genauso wirken die Entschuldigung vorab und ein Satz, der ins Leere ausläuft („… aber das nur so als Gedanke“). Gewicht gibt das Gegenteil: kurz, klar, ohne Rechtfertigung. Auf „Das ist doch noch gar nicht ausgereift“ antwortest du nicht mit drei Sätzen Verteidigung, sondern: „Stimmt. Deshalb starten wir mit einem Pilot.“

Grafik

Fünf Sätze, die Gewicht kosten, und ihre stärkere Fassung

StattBesser
„Ich wollte nur kurz etwas einwerfen …“„Ich habe einen Punkt zum Zeitplan.“
„Das ist eigentlich ein Risiko.“„Das ist ein Risiko.“
„Sorry, das wird jetzt etwas länger.“„Drei Punkte, dann bin ich durch.“
„Ich weiß nicht, ob das jetzt passt, aber …“„Dazu eine Ergänzung.“
„Das ist total kritisch für uns.“„Ohne Freigabe verschiebt sich der Start um einen Monat.“

Vorsicht auch bei Verstärkern wie total, extrem oder unglaublich. Sie verraten deine Betroffenheit, und Betroffenheit lädt zur Diskussion ein. „Die Software ist extrem fehleranfällig“ provoziert ein „Na ja, extrem ist übertrieben“. „Die Software ist diese Woche dreimal abgestürzt“ provoziert nichts. Die Faustregel: Fakten statt Gefühlsverstärker.

Und Widerspruch? Rackham und Carlisle beobachteten in den 1970er-Jahren besonders erfolgreiche Verhandler, ohne kontrolliertes Experiment. Fragen und Vorschläge kündigten diese vorher an, Einwände nicht: Da kam erst die Begründung, dann die Gegenposition. In einer Besprechung darfst du einen Einwand ruhig ansagen: „Beim Budget sehe ich ein Problem, aus zwei Gründen.“ In einer Verhandlung stellst du die Gründe voran: „Unser Lager ist bis Ende April voll. Einer Lieferung im April kann ich deshalb nicht zustimmen.“

Kompetenz sichtbar machen, ohne dich zu loben

Kurz gesagt: Indem du deine Erfahrung in eine Empfehlung einbaust, statt dich selbst in den Mittelpunkt zu stellen: kurz erwähnen, was du gesehen hast, dann klar vorschlagen. Nenn deine Funktion und bring Wissen ein, das der Runde fehlt. Das ist keine Angeberei, sondern eine Information, denn niemand im Raum sieht dir an, was du weißt.

Viele lassen diese Stellschraube liegen, weil es sich nach Prahlen anfühlt. Aber niemand im Raum sieht dir an, was du weißt. Deine Erfahrung existiert für die anderen erst, wenn du sie erwähnst.

Was du kannst, offen zu zeigen, ist keine Angeberei. Es ist eine Information, die den anderen sonst fehlt. Entscheidend ist, wie du es tust. „Ich mache das seit zwölf Jahren, glauben Sie mir“ stellt dich selbst in den Mittelpunkt. Steckst du die Erfahrung stattdessen in eine Empfehlung, steht die Sache vorn, und die Erfahrung verleiht ihr Nachdruck.

Grafik

So baust du Erfahrung in eine Empfehlung ein

  1. Erfahrungzwölf Jahre Einkaufkurz erwähnt, nicht ausgebreitet
  2. BeobachtungPreise ziehen im Herbst andas Muster, das du kennst
  3. Empfehlungjetzt verhandelnklar, ohne Weichmacher
  4. Wirkungder Vorschlag zähltweil die Erfahrung mitschwingt
Als Satz: „In zwölf Jahren Einkauf habe ich gesehen, dass die Preise im Herbst anziehen. Deshalb schlage ich vor, jetzt zu verhandeln.“
  • Nenn deine Funktion. „Als Projektleiterin sehe ich …“ stärkt die Aussage ohne Selbstlob. Wer die Funktion aus Bescheidenheit weglässt, klingt wie jemand ohne Zuständigkeit.
  • Bring Wissen ein, das der Runde fehlt. „Ich war gestern beim Kunden. Er unterschreibt erst, wenn die Schnittstelle läuft.“ Daran kommt niemand vorbei, egal welchen Titel du trägst.
  • Setz einen Schwerpunkt, wenn deine Erfahrung noch kurz ist. „Mit genau diesem Thema beschäftige ich mich seit Monaten intensiv“ wirkt auch ohne lange Erfolgsliste.

Wie du das Wort behältst, wenn du unterbrochen wirst

Kurz gesagt: Führ deinen Gedanken zu Ende, wenn jemand dazwischenfragt, und zeig mit Blick und offener Handfläche, dass der andere gleich dran ist. Bei Vielrednern hakst du in der Atempause mit Begründung ein. Auf kritische Rückfragen antwortest du erst nach ein, zwei Sekunden Pause, und Wissenslücken benennst du offen, mit einer Zusage, die du hältst.

Manchmal stimmt alles, und trotzdem wirst du unterbrochen, übergangen oder ausgefragt, bis das Wort bei jemand anderem liegt. Vier Regeln helfen.

1

Lass dich nicht aus dem Satz holen

Fragt jemand dazwischen, sprich weiter, bis dein Gedanke steht. Ein Blick und eine offene Handfläche zeigen: Du bist gleich dran. Ein erhobener Zeigefinger dagegen wirkt wie Verscheuchen.

2

Hak in der Atempause ein, ohne Aber

Bei Vielrednern wartest du die nächste Pause ab und steigst mit Begründung ein: „Da hake ich kurz ein, weil es den Zeitplan betrifft.“ Vorher richtest du dich kurz auf.

3

Erst Pause, dann Antwort

Auf eine kritische Rückfrage antwortest du nie sofort. Ein, zwei Sekunden Stille wirken wie Überlegung. Wer ohne Atempause zurückschießt, wirkt, als hätte die Frage gesessen.

4

Wissenslücken offen benennen

„Die genaue Zahl habe ich nicht im Kopf. Sie haben sie morgen bis zehn Uhr.“ Das wirkt souveräner als jede Schätzung, wenn du pünktlich lieferst.

Und wenn die Bemerkung eher Angriff als Frage ist, etwa „Dafür sind Sie doch noch gar nicht lange genug dabei“? Dann reicht ein knapper Satz ohne Verteidigung: „Richtig. Deshalb sehe ich, was hier allen anderen schon normal vorkommt.“ Wer gelassen bleibt, hat meist die Sympathie der Runde. Mehr Antworten auf solche Sätze findest du unter Schlagfertig antworten, den Umgang mit harten Fragen unter kritische Rückfragen.

Zu jung, neu in der Rolle, die einzige Frau im Raum: So wirst du ernst genommen

Zwei Dinge vorweg. Vorurteile in einer Runde sind nicht dein Versäumnis, und es ist nicht allein deine Aufgabe, sie aufzulösen. Wie andere denken, steuerst du nicht. Welche Signale du sendest, sehr wohl. Die Stellschrauben sind für alle dieselben, aber je nach Lage greift eine andere zuerst.

Grafik

Deine Lage und dein stärkster erster Hebel

Deine LageErster Hebel
zu jung für die RundeFunktion und Zuständigkeit im ersten Satz nennen
neu in der RolleZusagen machen und sichtbar einhalten
die einzige Frau im Raumbeim eigenen Punkt bleiben, Vorschläge freundlich zurückholen
nicht in der Muttersprachekurze Sätze, fallende Satzenden, keine Entschuldigung für die Sprache
zu nett, zu leisedie Wärme behalten, die Weichmacher streichen

Zu jung oder neu in der Rolle. Halte zwei Dinge auseinander. Die Position steht im Organigramm, seit du ernannt wurdest. Autorität entsteht im Alltag: wenn du fachlich Antworten hast, auf deine Zusagen Verlass ist und dein Team erlebt, dass du dich nach außen vor das Team stellst. Für die Position musst du nichts mehr tun, an der Autorität kannst du heute arbeiten. „Neu in der Rolle, jetzt stehe ich in der ersten Reihe“, sagen viele. Gerade dann zählt ein klarer erster Satz.

Die einzige Frau im Raum. Wer in einer Runde die Einzige ist, steht stärker unter Beobachtung, jedes Signal fällt mehr auf. Typisch sind zwei Situationen: Du wirst mitten im Gedanken unterbrochen, oder dein Vorschlag zählt erst, als ein anderer ihn wiederholt. Für das Erste gilt Regel eins von oben. Für das Zweite holst du dir den Vorschlag freundlich zurück: „Danke, dass du meinen Punkt von vorhin aufgreifst. Ich ergänze gleich, wie wir ihn umsetzen.“ Weder spitz noch defensiv, aber klar.

Nicht in der Muttersprache. „80 % unserer Meetings sind auf Englisch, per Video“, erzählen uns Führungskräfte. In einer Fremdsprache kostet ein Grammatikfehler meist weniger Gewicht als die Entschuldigungen und Weichmacher, die sich einschleichen. Kurze Sätze mit fallenden Satzenden wirken ruhiger als jede verschachtelte Konstruktion. Und „Sorry, my English is not perfect“ lenkt den Blick genau dorthin, wo er nicht hingehört.

Zu nett, zu leise. Freundlichkeit ist nicht das Problem, die Weichmacher daran sind es. Behalte die Wärme und streich die Relativierungen: „Danke für die Frage. Meine Antwort ist klar: Wir starten im Juni.“ Wer sich eher als „zu direkt, zu streng“ erlebt, dreht dieselben Schrauben andersherum: Verstärker raus, Pausen rein. Gewicht ist nicht Härte.

Darf ich hier überhaupt sprechen? Die Frage unter der Technik

Kurz gesagt: Ja, und wer führt, soll es sogar: Wo du schweigst, übernimmt jemand anderer die Deutung. Dass du vor höheren Ebenen weicher klingst als unter Kolleginnen und Kollegen, obwohl du dasselbe weißt, verrät diese stille Frage. Klare Satzenden wirken auf dein Gefühl zurück, und „Darin habe ich noch wenig Übung“ hilft mehr als „So bin ich eben“.

Unter den Techniken steckt bei vielen eine stille Frage, die vor jedem Wortbeitrag mitläuft: Steht mir das hier eigentlich zu?

Erkennbar ist sie daran, dass du je nach Besetzung anders klingst. Unter Kolleginnen und Kollegen auf Augenhöhe bist du klar. Sitzen zwei Ebenen über dir mit am Tisch, schleichen sich Weichmacher ein, obwohl du in beiden Räumen dasselbe weißt. Wie du vor der obersten Ebene klar bleibst, zeigt unser Beitrag Präsentation vor der Geschäftsleitung.

Wer führt, darf in der Runde nicht nur sprechen, er soll es. Leerstellen bleiben in Besprechungen nicht lange leer: Wo du schweigst, übernimmt jemand anderer die Deutung, und am Ende verantwortest du Entscheidungen, die andere geprägt haben.

Zwei Dinge helfen. Erstens wirkt die Technik zurück: Wer eine Weile mit klaren Satzenden spricht, fühlt sich bald auch sicherer. Dein Körper hört mit. Zweitens: Achte darauf, wie du über dich selbst redest. „So bin ich eben, ich setze mich nicht durch“ macht aus einer Gewohnheit eine Eigenschaft, und an Eigenschaften hält man fest. „Darin habe ich noch wenig Übung“ lässt die Tür offen.

Mit welcher Rolle gehst du in die Besprechung?

Kurz gesagt: Geh als Fachperson hinein, die die Runde berät, nicht als Prüfling, der auf eine Bewertung wartet. Die innere Rolle bestimmt die Reihenfolge: Als Fachperson stellst du den Vorschlag an den Anfang und stützt ihn danach, als Prüfling bringst du ihn zuletzt und klein. Du kannst die Rolle vor jedem Termin neu wählen.

Noch eine Schicht tiefer sitzt die Rolle, mit der du den Raum betrittst. Die Grafik zeigt zwei Varianten derselben Person mit demselben Vorschlag.

Grafik

Als Prüfling wartet auf eine Bewertung

Entschuldigung und VorredeAbsicherungRelativierungVorschlag

Der Vorschlag kommt zuletzt und klein. Bis dahin hat die Runde entschieden, wie ernst sie ihn nimmt.

Als Fachperson berät die Runde

VorschlagBegründungErfahrungDetails auf Nachfrage

Der Vorschlag steht vorn. Alles danach stützt ihn.

Gleicher Inhalt, andere innere Rolle. Die Rolle bestimmt die Reihenfolge, die Reihenfolge das Gewicht.

Mit Technik hat das wenig zu tun, viel mit dem Selbstbild in diesem Moment. Und das kippt erstaunlich oft gerade bei denen, die am meisten Erfahrung mitbringen. Die gute Nachricht: Du kannst die Rolle vor jedem Termin neu wählen.

Vorlage

Zwei Minuten vor der Besprechung

  • Mit welcher Haltung gehe ich gerade hinein: Prüfling oder Fachperson?
  • Meine Rolle heute: Beraterin oder Berater für …
  • Hier bin ich der Runde voraus: Punkt 1
  • Punkt 2
  • Punkt 3
  • Mein Vorschlag in einem Satz
Drei Punkte statt einem: Einer wirkt wie Zufall, drei wie ein Vorsprung.

Eine Laborstudie von Lammers und Kollegen aus dem Jahr 2013 deutet in diese Richtung. Teilnehmende, die vor einem Bewerbungsschreiben oder Vorstellungsgespräch an eine Situation mit eigener Macht dachten, schnitten bei ahnungslosen Beurteilern besser ab als jene, die sich an Ohnmacht erinnerten. Die Gruppen waren klein, und ob sich solche Effekte zuverlässig wiederholen lassen, ist strittig. Kein Patentrezept, wohl aber ein Indiz, dass man die innere Haltung von außen sieht.

Checkliste: So wirst du in der nächsten Besprechung ernst genommen

  • Rolle gewählt: Fachperson, nicht Prüfling
  • Drei Punkte notiert, in denen du der Runde voraus bist
  • Erster Satz mit voller Energie, ohne leisen Anlauf
  • Satzenden nach unten: feststellen statt fragen
  • Weichmacher, Verstärker und Entschuldigungen vorab gestrichen
  • Erfahrung in die Empfehlung eingebaut, Funktion genannt
  • Bei Unterbrechung: Gedanken zu Ende führen, offene Hand
  • Vor jeder Antwort ein, zwei Sekunden Pause
  • Wissenslücke benannt, Zusage mit Termin gegeben und gehalten
Nachricht an unser Team
„Nach dem Meeting hat mein Teamleiter mich angerufen und wollte wissen, was ich an mir geändert habe. Meine Ausstrahlung, Aussprache und Wirkung in Meetings hat sich in den letzten 4 Wochen durch euer Training schon spürbar geändert!“
Michael W. · Wichtiger Abstimmungstermin
Wenn du trotzdem übergangen wirst

Dein Vorschlag soll beim ersten Mal zählen.

Allein siehst du von den vier Stellschrauben meist nur eine. In der 4S-Rhetorik-Methode™ arbeiten wir an deinem Gewicht im Bereich „Souverän auftreten“: Haltung, Stimme und Wirkung, mit Video-Analyse und Feedback. Für Unterbrechungen und spitze Bemerkungen kommt „Spontan sprechen“ dazu.

In der kostenlosen Rhetorikanalyse schauen wir uns an, in welcher Runde du an Gewicht verlierst und wo dein größter Hebel liegt.

Lieber hören? Die passende Podcast-Folge

Podcast Rhetorik mit Rudolf Wald
SpotifyUnsicherheit lässt dich inkompetent wirken (+ Lösung für Selbstsicherheit)Rhetorik mit Rudolf Wald

Warum Unsicherheit dich Respekt, Deals und Beförderungen kostet und wie du das änderst.

Beim Abspielen wird eine Verbindung zu Spotify hergestellt.

Häufige Fragen

Warum nimmt man mich im Job nicht ernst?
Meist liegt es nicht am Inhalt, sondern daran, wie er ankommt. Ein leiser Satzanfang, steigende Satzenden, Weichmacher und unsichtbare Erfahrung nehmen deinem Beitrag Gewicht, bevor ihn jemand inhaltlich prüft. Das lässt sich gezielt ändern.
Was wirkt schon im nächsten Meeting?
Lass die Stimme am Satzende sinken, damit Aussagen nicht wie Fragen klingen. Starte Sätze mit voller Energie, streich Wörter wie „eigentlich“ und „nur kurz“ und mach vor jeder Antwort eine kurze Pause.
Wie mache ich meine Erfahrung sichtbar, ohne arrogant zu wirken?
Steck deine Erfahrung in eine Empfehlung, statt sie als Argument für dich selbst zu nutzen. Zum Beispiel: „In zwölf Jahren Einkauf habe ich gesehen, dass die Preise im Herbst anziehen. Deshalb schlage ich vor, jetzt zu verhandeln.“ Nenn außerdem deine Funktion, wenn sie zum Thema passt.
Wie reagiere ich, wenn mir in Meetings ständig jemand ins Wort fällt?
Sprich weiter, bis dein Gedanke steht, und zeig der Person mit Blick und offener Hand, dass sie gleich an der Reihe ist. Bei Vielrednern hakst du in der nächsten Atempause mit einer kurzen Begründung ein, ohne „aber“.
Was hilft, wenn ich als zu jung oder neu in der Rolle wahrgenommen werde?
Nenn deine Funktion und Zuständigkeit gleich zu Beginn, statt sie aus Bescheidenheit wegzulassen. Auf Spitzen gegen dein Alter reagierst du mit einem knappen Satz, ohne dich zu verteidigen. Autorität wächst dann über Verlässlichkeit: Zusagen machen und sichtbar einhalten.
Liegt es an meiner Haltung oder an meiner Technik?
Beides. Technik wie fallende Satzenden wirkt sofort und stärkt auch dein Gefühl von Sicherheit. Darunter liegt oft die Frage, ob du in dieser Runde sprechen darfst. Hilfreich ist, vor dem Termin bewusst die Rolle der beratenden Fachperson zu wählen.

Quellen

  1. Anderson, C. & Kilduff, G. J. (2009). Why do dominant personalities attain influence in face-to-face groups? The competence-signaling effects of trait dominance. Journal of Personality and Social Psychology, 96(2).
  2. Hall, J. A., Coats, E. J. & LeBeau, L. S. (2005). Nonverbal behavior and the vertical dimension of social relations: A meta-analysis. Psychological Bulletin, 131(6).
  3. Rackham, N. & Carlisle, J. (1978). The effective negotiator, Part 1: The behaviour of successful negotiators. Journal of European Industrial Training, 2(6).
  4. Lammers, J., Dubois, D., Rucker, D. D. & Galinsky, A. D. (2013). Power gets the job: Priming power improves interview outcomes. Journal of Experimental Social Psychology, 49(4).
Rudolf Wald
Über den Autor: Rudolf WaldGründer von Wald & Zwickl Rhetorik · Rhetorik-Coach

Rudolf hatte als Schüler selbst Angst vor Referaten: gut vorbereitet und trotzdem blockiert. Er hat diese Blockade gelöst, einen der größten Rhetorikclubs Österreichs gegründet und mit Nicolas Zwickl die 4S-Rhetorik-Methode™ entwickelt. Mit 15 Coaches hat das Team über 1.500 Führungskräfte, Unternehmer:innen und Selbstständige trainiert. Im Podcast „Rhetorik mit Rudolf Wald“ spricht er jede Woche über sicheres Sprechen.